Ein Kinofilmdebüt, vier junge Schauspieltalente und ein atemberaubendes Ergebnis! “4 Könige” ist ein Weihnachtsfilm der etwas anderen Art. Im Dezember 2015 feierte Regisseurin Theresa von Eltz ihr Kinodebüt und überzeugt durch wiederholten Konventionenbruch.

Nix mit “Santa Baby“

Der Film handelt von vier Jugendlichen, die zu einem Zeitpunkt der absoluten Besinnlichkeit die wohl schwierigste Phase ihres Lebens durchstehen müssen. Anstatt Weihnachten mit der Familie im eigenen Heim zu verbringen, finden sie sich in der Jugendpsychiatrie wieder. Dabei könnten die Charaktere Lara (Jella Haase), Alex (Paula Beer), Fedja (Moritz Leu) und Timo (Jannis Niewöhner) unterschiedlicher nicht sein. Jella Haase spielt als Lara den vollständigen Kontrast zu Chantal in Fack ju Göhte und zeigt damit, dass sie nicht nur einfältige Rollen spielen kann. Lara hat mit starken Empathieproblemen zu kämpfen und zeigt sich sehr sprunghaft. Sie ist es auch, die dem Film seine Comedy-Elemente verleiht. Alex steht nach der Trennung ihrer Eltern zwischen den Stühlen und geht immer mehr unter – bis sie sich aus einem fahrenden Auto wirft. Fedja hatte in der Schule unter starkem Mobbing zu leiden, was ihn zu einem völlig unsicheren, verängstigten und verschlossenen Menschen macht, der nicht mehr am sozialen Leben teilnimmt. Und Timo kommt aus “der Geschlossenen”. Starke Aggressivität und Gewaltausbrüche sind sein größter Kontrahent. Neben der starken Besetzung der Hauptrollen zeigt Clemens Schick als Psychiater Dr. Wolff sein schauspielerisches Können. Wolff versucht, auf jeden Jugendlichen indivudell einzugehen, was bei seiner Kollegin Simone (Anneke Kim Sarnau) auf viel Wiederspruch stößt. Er lockert die Grenzen zwischen Behandeltem und Behandelndem und vertraut darauf, dass die Jugendlichen das nicht für ihre eigenen Zwecke ausnutzen.

Der Film hat viele Highlights. Laras Auftritte sind unglaublich authentisch und witzig zugleich. Die gefühlslose junge Frau scheint jedoch, wenn es um ihre Eltern geht, äußerst verletzlich. Niemand will die Jugendlichen an Weihnachten daheim haben – und doch zeigen sie im Laufe des Films das, wovor sie sich am häufigsten fürchten – Gefühle! Neben Jella Haases “Weihnachtspimmel”, der dem Film etwas Leichtigkeit verleiht, ist ihre Szene vor der Psychiatrie mit Clemens Schick, in der sie zum ersten Mal auf Dr. Wolff als Mensch und Vater trifft, einer der ganz klaren Glanzpunkte des Films. Auch die sehr emotionale Szene von Dr. Wolff und Alex im Wald, in der sie sich ihren Kummer endlich von der Seele schreit, bleibt dem Zuschauer lange in Erinnerung. Die größte Stärke des Films ist jedoch sicherlich die Tatsache, dass sich alle jungen Erwachsenen im Film irgendwo wiedererkennen, mit den Figuren identifizieren und verbunden fühlen können. “Jeder für sich selbst hat seine Probleme”, erklärt Jannis Niewöhner auch in einem Interview. Obwohl der Film wenige lange und intensive Dialoge vorweist, ist es gerade die Stille, mit der so schön gespielt wird. Diese wird im Film zur hohen Kunst erhoben.

Zum Drama wird “4 Könige” gegen Ende, als Timo seiner inneren Wut nicht mehr trotzen kann und ausrastet. Fixiert auf einem Bett wird er von den anderen Jugendlichen getrennt, mit denen er gerade dabei war, sein erstes Weihnachtsfest ehrlich zu genießen. Timo wird am Ende des Films wieder zurück in “die Geschlossene” gebracht – und doch hat der Film ein Happy End. Denn Lara, Alex, Fedja und Timo lassen zusammen etwas entstehen, dass so gar nicht geheuchelt, gezwungen oder gespielt ist: ein Gefühl des ehrlichen Zusammenhalts.

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