Es ist einer der besonderen Momente im Leben der einen 20-25 Jahre zurückversetzt. Sehnsucht, Kleine Seen – ICH WILL RAUUUUUUS! – wie diese Lieder in den Ohren klingen. Wir waren „verliebte Jungs“, ja, das waren wir zu dieser Zeit. Er hat die deutsche Musik mit diesen und anderen Meisterwerken geprägt und hat die „Neue Deutsche Welle“ bewusst umschifft, er hat seine Musik gemacht mit Texten, die nicht im Knutschboot unterm Sternenhimmel komponiert wurden.

Seine Texte haben Sinn und Tiefe und halten sich über Jahrzehnte im Gedächtnis der Menschen. Es dürfte heute kaum jemanden im deutschsprachigen Raum um die 40 geben, der ihn und seine Songs nicht kennt und meist sogar mitsingen könnte.

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Die Rede ist von keinem geringeren als Purple Schulz. Auf der Veranstaltung „Ein Lied für Haiti“, welches von Rolf Stahlhofen unter dem Motto Rolf Stahlhofen & Friends“ auf die Beine gestellt wurde, konnten wir uns mit Purple in eine ruhige Ecke verkrümeln und haben ihm ein sehr angenehmes, ehrliches und offenes Interview zu verdanken.

kr: Hallo Purple, für uns zunächst einmal eine besondere Ehre, dass wir mit dir sprechen dürfen. Ich selbst bin mit deiner Musik aufgewachsen und war auch vor nicht allzulanger Zeit beruflich damit konfrontiert. Du warst in den 80ern zum einen auf einer beonderen Welle, der neuen Deutschen Welle. Deine Lieder waren aber anders, sie hatten so etwas tiefes und die Texte waren unglaublich (natürlich haben sie das noch immer). Wie kam es zu den Texten?

Purple Schulz (p.s.): Ich habe meine Texte immer selbst geschrieben und war natürlich auch immer dafür zuständig. Die Texte reflektieren mein Leben und sind ein Teil von mir. Sie zeigen die Höhen wie die Tiefen, aber auch mit vielen lustigen Situationen dazwischen.

kr: Du bist soviel Jahre im Geschäft, hat es sich -aus deiner Sicht, stark verändernd?

p.s.: Wir hatten ein Klavier zuhause und so begann ich schon 1965 damit, auf den Tasten rumzuklimpern. Aber wirklich geübt hatte ich eigentlich nie, was meinen Eltern ein Dorn im Auge war, sie hatten sich das schon etwas anders vorgestellt. Im Fernsehen lief der Beatclub, was dort gespielt wurde, animierte mich dazu die Songs nachzuspielen. Mein Gehör war mein Lehrer, Noten waren nie so mein Ding und so bekam ich Übung darin im Nachspielen.

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1972 kam es dann endlich zu einer ersten Band, wir spielten wie verrückt, aber trotzdem sollte es noch bis 1979 dauern, bis wir überhaupt das erste echte Studio von innen gesehen haben und noch einmal weitere drei Jahre bis unser erstes Album „Neue Heimat“ – mein erstes Projekt mit Wolf Mann, dem damaligen Produzenten – aufgenommen wurde. So schnell wie das Album auf dem Markt war verschwand es aber auch wieder.

Einige seiner Alben:

Wir nahmen dann unser zweites Album auf, wo unter anderen Sehnsucht mit drauf war. Es dauerte dann in der Tat noch einmal 1.5 Jahre bis aus eben dieser Single ein Hit wurde. Danach war der Weg geebnet.

Im Gegensatz zu heute bekam man damals einfach mehr Zeit, einen Künstler aufzubauen, daher geht es den Musikern heute auch so schlecht. Die Künstler bekommen keine Möglichkeit mehr, sich zu entwickeln, sie kommen meist aus der Schule und haben keine Chance mehr.

kr: Wie siehst du die Deutsche Musik heute? Wir haben ganz große Stars wie Grönemeyer, Naidoo oder Westernhagen. Ist unsere Musik in der Heimatsprache gut? Wir Deutschen hören englisch oder italienisch bzw. spanisch, aber hört man uns auch in der Welt?

p.s.: Es ist toll, dass wir mittlerweile endlich wieder in unserer Muttersprache, in Deutsch singen dürfen. Wir werden nicht mehr gefragt, warum wir das tun, es ist selbstverständlich geworden und auch die junge Generation ist wieder offen dafür. Junge Bands gehen dadurch wieder mit wesentlich mehr Selbstbewusstsein mit unserer Sprache um. Ich empfinde das einfach als sehr schön.

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Es gibt soviel Strömungen derzeit und es wäre wirklich wünschenswert, wenn die Medien diese aufnehmen würden. Jedoch sind Programmformate wie RTL und DSD anders ausgerichtet, da kommt es nicht auf einen Künstler an, der steht da nur als Mittel zum Zweck, und genau das macht eigentlich alles kaputt. Die Menschen sind schon so übersättigt durch das Massenprodukt Musik, welches durch solche Shows geschaffen wird und die Künstler werden dermaßen davon vereinnahmt. Man kann das besonders kurz danach sehr gut beobachten, ein Künstler ist komplett vereinnahmt worden, durch z.B. DSDS, kaum ist die Show durch verschwindet in der Regel auch der Künstler recht zeitnah aus der Öffentlichkeit, im Einzelfall wird er danach sogar verspottet.

kr: Viele kleine Labels sind vom Markt verschwunden, ebenso Große haben das Weite gesucht, CD Verkäufe gehen stark zurück und der Onlinemarkt wächst exorbitant. Wie geht das alles an dich heran oder an dir vorbei?

p.s.: Das ist mir ehrlich gesagt egal, wie es der Plattenindustrie geht. Jeder junge Künstler sollte spielen, spielen, spielen und sich nicht auf Saturn und MediaMarkt verlassen.

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Heute kann man im Internet jedem Menschen seine Musik präsentieren, daraus kann man viel machen. Die Leute müssen es endlich nur mal verstehen. Auch mal ohne Geld ein Gig kann sehr viel Geld wert sein.

kr: Hast du für dieses Jahr etwas geplant? Viele wollen dich gerne wieder einmal live hören und sehen (ich inklusive), wo dürfen und können wir das?

p.s.: Oha, das könnt ihr, sehr oft sogar. Ich bin mit dem Projekt „Gemeinsame Sache“ unterwegs, welches auf meinen Kumpel Josef zurück geht. Die Show ist einfach genial und macht wirklich unglaublich Spaß. Man lädt einfach einen Künstler ein, geprobt wird nicht. Wir machen einfach ein Konzert und improvisieren und das kommt so unglaublich gut an. Einmal lud ich Heinz Rudolf Kunze ein und der war nach der Veranstaltung so sehr begeistert, dass er gleich sagte, er wolle unbedingt wieder dabei sein und so ist dann aus diesem einen Abend mit ihm mittlerweile 150 geworden. Unser Motto: Rheinländer trifft auf Niedersachse 🙂

Und natürlich werde ich dieses Jahr ein neues Album machen, ich habe es versprochen und jetzt muss das auch sein!.

kr: Dürfen wir dich da beim Wort nehmen?

p.s.: Ihr MÜSST mich da sogar beim Wort nehmen und es ist mir auch ganz wichtig, dass das nun auch wirklich kommuniziert wird. Ich kenne mich nämlich, wenn ich für dieses Projekt den Druck nicht von aussen verspüre, wird es sich noch weiter rausziehen.

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Ich bin heute in einem gereiften Alter angekommen in dem ich glücklicherweise selbst entscheiden kann, was ich wann und warum tue. Dieses Album gehört ist nun definitiv eine der Entscheidungen!

kr: Du bist heute hier um bei diesem Projekt „Ein Lied für Haiti“ deinen Teil beizutragen. Wie hast du diese unglaubliche Katastrophe, bei der nahezu 200.000 Menschen ihr Leben verloren haben, empfunden?

p.s.: Vieles auf der Welt und was darin geschieht ist im Grunde so weit weg von uns. Sicher, die Nachrichten berichten und untermalen das auch mit Bildern. Jedoch sind dies, wie man das von den Medien auch kennen und so bewerten sollte, nur marginale Ausschnitte. Die schlimmen Sachen sehen wir kaum, denn die sind schlecht zu verkaufen, alles wird schon für uns vorgefiltert und aufbereitet.

Wenn man die Kinder da über die Straßen irren sieht die Heulen und wahrscheinlich ihre Familien verloren haben, da wird einem klar, worum es hier gehen muss: Zu helfen und die Leben der Überlebenden zu retten und wieder ein Land aufzubauen, das eh schon seit Jahrzehnten so ausgebeutet wurde und die Menschen dort so gebeutelt waren.

Wir müssen den Kindern etwas aufbauen und Bildungsmöglichkeiten schaffen, denn nur so können wir der maroden Gesellschaft helfen. Und genau hier sehe ich Projekte wie „Ein Lied für Haiti“ als unbeschreiblich wichtig an.

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Als das passierte habe ich sofort Geld gespendet, um meinen Teil zur Sicherung der Grundversorgung beizutragen. Es mag nun vielleicht makaber klingen, aber es ist wirklich aufrichtig gemeint! Das Erdbeben hat viele Opfer gekostet und Haiti hat einen sehr hohen Preis dafür bezahlt, aber, und das ist das Makabere an dieser Situation, es könnte eine Chance für dieses Land sein, etwas aufzubauen und den Menschen ein besseres Leben als vorher zu bieten und für sie wieder eine Heimat zu schaffen, die sie lieben.

kr: Rolf hat sich riesig auf dich gefreut, wie ist euer Verhältnis, habt ihr schon öfters miteinander gearbeitet?

p.s.: Mittlerweile waren es vier gemeinsame Konzerte von Rolf und mir und ich kann mit Freude sagen, dass jedes für sich unglaublich Spaß gemacht hat. Rolf hat soviel Energie und kann immer wieder Leute mobilisieren, das ist eine seiner Eigenschaften, die ich so interessant an ihm finde. Rolf hat soviel Energie, wen er auf der Bühne steht.

kr: Wir danken dir, dass du dir Zeit genommen hast für uns. Hast du noch ein Schlusswort für unsere Leser?

p.s.: Wir sind zur Karnevalszeit in die Karnevalshochburg Deutschlands gekommen in das Dreigestirn also passt es sicherlich gut mit diesen Worten abzuschließen: Kolle Alaaf

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