Es gibt Konzerte, da weiss man nicht so genau, was einen erwartet, bei Julia Neigel & Edo Zanki dürfte man aber eines sicher erwarten: Das es megageil wird. Die Mischung an sich ist einfach: du nimmst die Powerfrau Julia Neigel und das Ausnahmetalent Edo Zanki, der schon bei den Söhnen Mannheims auf ZION den Weg für Xavier Naidoo und seine Brüder aus Mannheim ebnete.

Edo Zanki kommt völlig relaxed auf die Bühne, grooved das Publikum ein und die Töne erklingen sanft. Dann, wie aus heiterem Himmel, kommt pure Erotik auf die Bühne, eine Frau die einen förmlich vereinnahmt, provozierend und doch absolut edel, die Rede ist von Julia Neigel. Wie sie sich zur Musik bewegt und das Mikrofon in die Hand nimmt, das Publikum ist sofort in ihren Bann gezogen und schon nach 45 Sekunden klatscht die Menge mit zum Rhythmus.

Sie röhrt ins Mikrofon, doch es ist kein Geschrei. Es ist eine rockige Stimme, die einen – wie sagte Huey Lewis – trifft wie einen Hammer. „Heute Nacht“, von Spliff in die Analen der Popmusik eingegangen, wird von Edo und Julia ebenso in Perfektion interpretiert wie andere bekannte Songs aus älteren Zeiten. Aber weit gefehlt, wenn man denkt hier findet ein DSDS statt, alles klingt so neu, so frisch, die Interpretationen der Songs ist etwas ganz besonderes.

Ihre Interaktion mit dem Publikum, ganz Starlike. Es werden Hände gegeben, Menschen persönlich angesprochen, ermuntert aus sich rauszugehen und mitzumachen. Julia rennt über die Bühne wie eine 20 Jährige um ja niemanden zu vergessen und die Zuschauer auch wirklich „ankommen“ zu lassen. Auch für die Rocker an diesem Abend ist kein geringerer als Jörg Dudys an der Gitarre, der Mann weiss, wie man Julia mit seinem Instrument noch eine Stufe höher bringt.

„Halt mich, und lass mich nicht mehr los“ nicht nur eine Textpassage aus einem Song von Edo Zanki, die Band grooved so unglaublich, Edo nimmt sein Tamburin und raschelt zum Rhythmus. Als Zuschauer fühlt man sich plötzlich entführt aus der Realität und begibt sich freiwillig in die Welt des Edo Zanki. Man möchte nur noch seine Augen schließen und dem Arrangement eines anscheinend nahezu perfekten Musikers Freiraum im Geist schaffen. The King of Soul, da stand er auf der Bühne, ob „Papa was a Rolling Stone“ oder „Proud Marry“, jedes Lied wurde durch ihn fast noch einmal ein Stück besser.

Julia und Edo holten nun wieder einmal mehr die Menge ab. Fast schon ein exklusives Geschenk durfte das Mannheimer Heimpublikum dann erleben, Edo ging ans Keyboard und Julia wollte es nun endgültig wissen und nahm sich „Mit der Tänzerin im Sturm“ eine Figur, die sie nur so durch das Publikum jagte.

Die Pause war zu Ende, die Band kam in neuem Gewandt – aber nicht minder motiviert als vor der Pause. Wie sagte schon Rio Reisser in seinem Song: „Lass uns ein Wunder sein.“: So wunderbar war auch der Abend.

Gib mir Musik, wurde dann auch noch zu einer Jamsession. Julia konnte nicht mehr an sich halten und musste nun auch die Schuhe ausziehen um diesem Song gerecht zu werden. Eine Frau die einen ganzen Auftritt lang so rockt und ihre Stimmbänder bis an die Grenzen bringt, ein Edo Zanki, der sich von dieser „Höllenbraut“ mitreisen lässt, mehr kann und darf man von einem solchen Konzert nicht mehr erwarten, es war jeden Cent wert.

Endlich war es dann soweit, Jule Neigel – äh sorry, Julia Neigel. Die Königin der Schatten an der Wand. Das Capitol rockte nicht weniger als die Band. Über 20 Jahre ist er schon da, dieser Song und noch immer hypnotisiert er die Menschen. Es mag im ersten Moment negativ klingen, diese Frau hat sich seit erschienen dieses Songs musikalisch und stimmlich nicht mehr weiterentwickelt, warum? Spätestens hier wird einem klar, dass da damals schon diese nahezu perfekte Musikern schon so gut und professionell war. Diese Stimme scheint eine Gabe zu sein, die Julia schon in den jungen Jahren ihrer Karriere zu nutzen wusste. Hier brauchte man nichts mehr „besser“ zu machen. Man sah ihr an, dass sie es ebenso liebte, wie das Publikum. Man bekam dieses Wohlgefühl was einen hypnotisierte.

Am Ende bleibt festzustellen, dass Julia Neigel und Edo Zanki zu den ganz großen in der Branche gehören, sie haben an einem Abend mindestens zwei Generationen vereint und begeistert und gezeigt, was es bedeutet, Vollblutmusiker zu sein. Songs, die die Klänge von Dolly Patron oder den Dire Streits nach Mannheim brachten und in Lieder dieser beiden Ausnahmemusiker verschmolzen zeigten, Live-Musiker zu sein. Nicht mehr lange wird es diese Tour geben und wir können wirklich jedem nur nahe legen es noch zu versuchen und daran teil zu nehmen. Viel Vorfreude haben die vielen vorgestellten Songs gemacht von den beiden, die jeweils auf dem kommenden Album sein werden.

Einzig die Akustik im Capitol in Mannheim war nicht ganz so das, was eine Julia Neigel verdient, ihre Stimme wurde nicht so gut beschallt und wenn man auf den oberen Rängen saß, kam der Klang teilweise dumpf an.

Wir haben auch noch ein Interview mit diesen beiden charismatischen Menschen, welches wir in Kürze veröffentlichen werden.

Die Tourdaten für die Resttour:
21.03.2010 – Theaterhaus – Stuttgart
09.04.2010 – VestArena – Recklinghausen
10.04.2010 – Kammgarn – Kaiserslautern
16.04.2010 – Jovel – Münster
23.04.2010 – Rantastic – Baden Baden
24.04.2010 – Magic Music Hall – Kuhstedt/Gnarrenburg

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